Feldpostbrief Nr. 12 vom 2. November 1944

12)                                                     O. den 21.11.44

Meine liebe Ellermaus, l. Kinder.

Heute wieder ein Lebenszeichen von mir, es kann nicht umfangreich sein, da es schon dunkelt u. ich außerdem eine schlechte Lage habe. Habe nämlich am Tage geschlafen, denn wenn man des Nachts immer wach bleiben muss, dann kann man sich auf die Dauer am Tage des Schlafes doch nicht erwehren. Bin nun von mächtigem Kanonendonner wach gewordern, der immer noch anhält, da kann ich also draußen nicht schreiben, sondern muß in meinem Loch bleiben. Das habe ich mir nun von oben ganz zugemacht,sodaß ich nur jetzt ein wenig herauskriechen kann um Licht zum Schreiben zu haben, denn sonst ist es hier drinnen dunkel. Aber es wird schon gehen nicht wahr? Mir geht es immer noch gut, ich hoffe von Euch dasselbe. Hier schwirren so allerhand Parolen umher, wenn da etwas wahr daran wär, so wäre es gar nicht so übel, vor allem man ist dann nicht so weit von zu Hause weg.

Wenn Du mir einige Umschlägeu. das andere Feuerzeug schicken könntest, wäre ich Dir sehr dankbar, denn die Umschläge sind durch die Nässe alle unbrauchbar geworden und das Feuer- zeug habe ich ja leider verloren. Habe z.Zt. etwas Husten, aber nach dem was man durchgemacht hat ist es ja nicht zu verwundern, doch der wird ja auch bald wieder vergehen. Ich habe heute am Tage geträumt, es war Weihnachten, ich war zu Hause, und die Be- scherung begann gerade, habe direkt die Lichter brennen sehen und Ihr alle ward dabei, dann habe ich noch vor dem Alfred Kulicke[?] ge- träumt, den habe ich so ge- sehen, wie er früher aus sah. Ein Blödsinn alles nicht wahr? Nun mußte ich aber doch ganz heraus aus dem Loch, denn es wird zu dunkel, na ja, wenn man den ganzen Tag pennt, so denkst Du doch jetzt nicht wahr? Aber mein liebes Kind, glaube mir, ich wäre glücklich, wenn ich überhaupt die ganze Zeit hier draußen schlafen könnte. Na laßt mal, werde ja so Gott will, bald wieder zu Hause sein, denn hier werden ich ja doch bald ver- schwinden, d.h. nicht nur ich, Du ver- stehst ja nicht wahr?

Also meine Lieben, wie gesagt, bis auf kleine Einschränkungen, den Druck und die Lage, geht es mir gut, ich kann zufrieden sein, geht es anderen doch noch viel mieser, ich hoffe immer wieder, daß es Euch ebenfalls gut geht und Ihr vor allem gesund seid.

Schön wär es ja, wenn ich jetzt von Dir Post bekäme, aber ich glaube, daß ich da noch etwas warten muß. Nun werde ich schließen, es ist draußen kalt, will mich noch ein wenig aufwärmen, dann ist es dunkel und ich muß dann hinaus. Wir haben jetzt ja Mondschein, da ist es ja nachts hell, aber umsomehr muß man vorsichtig sein, wenn man über freies Gelände zu den einzelnen Posten geht, der Iwan schießt auf alles, dann noch die Flieger mit den Bomben, also da muß man schon wachsam sein.

Nun meine Lieben, bis übermorgen, wollen mal sehen, was sich bis dahin ereig- net hat, viel herzliche Grüße u. innige Küsse

Euer Papa             Immer noch Dein Bert!

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